Testbericht


Die junge Firma DDoptics aus Dresden lässt nach ihren Vorstellungen Zielfernrohre in Japan herstellen. Die getesteten Zielfernrohre 1,5-4,5x24 und 2,5-10x56 sorgten mit gemessenen 93,3 und 94,7 % Lichttransmission für eine Überraschung. In der Praxis konnten sich beide Zielfernrohre bestens bewähren.
Die Zielfernrohre haben einteilige, kratzfest harteloxierte Aluminiumrohre mit stabilen dicken Wandungen. Der Mittelrohrdurchmesser beträgt 30 mm. Es ist eine Dioptrienschnellverstellung mit Steilgewinde vorhanden. So wie man sie von mitteleuropäischen Zielfernrohren gewohnt ist. Das Okularende wurde mit einem Gummiring entschärft. Dank Riffelung ist der Okularring zur Dioptrienjustierung gut und rutschsicher fassbar. Vor der niedrigen Leuchteinheit auf dem Okular liegt der Vergrößerungswechsler. Er ist mit 16,5 mm recht breit und zur Erhöhung von Griffigkeit und Rutschsicherheit fein geriffelt. Ein kräftiger Nocken im Bereich der niedrigsten Vergrößerung erleichtert das Drehen. Für den gesamten Vergrößerungsbereich wird lediglich eine halbe Umdrehung benötigt. Der Gang des Vergrößerungswechslers ist zwar gleichmäßig aber sehr hart. Für die Drehung ist schon etwas Muskelkraft nötig. Bei großer Kälte (-20 Grad Celsius) ließ sich die Vergrößerung nur noch mit großem Kraftaufwand verstellen. Eine unbeabsichtigte Verstellung erscheint mir ausgeschlossen zu sein.
Die Klick-Absehenverstellung kann ohne Hilfsmittel bequem bedient werden. Je Klick verstellt sich das Absehen um ¼ MOA (7,3 mm auf 100 m). Durch Hochziehen der Kappe kann die Skala der Absehenverstellung genullt werden. Das ist vor allem hilfreich, wenn man mehrere Laborierungen aus einer Waffe verschießt. So kann man leicht seine ursprüngliche Einstellung wieder finden. Die Absehenverstellung funktionierte millimetergenau.
Parallaxenausgeich
Beim Zielfernrohr Nachtfalke (2,5-10x56) befindet sich gegenüber dem Seitenabsehenverstellturm ein Paralaxenausgleich, der von 20 Yards bis unendlich reicht. Neben Paralaxenfehlern bei Schiefeinblick holt eine richtig eingestellte Entfernung auch noch das letzte Quentchen Schärfe aus der Optik. Natürlich erfolgt die Paralaxenjustierung durch Linsenverschiebung im Zielfernrohrinnern, so dass Dichtheit sehr gut gewährleistet wird. Bei extremem Schiefeinblick und Paralaxenfreiheit von 100 m würde die Treffpunktabweichung auf 200 m 2,3 cm, auf 300 m 4,7 cm und auf 400 m 7cm betragen. Diese Fehlerquelle lässt sich durch Justierung der Paralaxenfreiheit auf die jeweilige Schussentfernung vermeiden.
Beide Zielfernrohre sind mit Leuchtabsehen ausgerüstet. Da die Plex-Absehen in der 2. Bildebene (Okularbildebene) liegen, sitzt die Leuchteinheit auf dem Okular. Da sie nur 10 mm hoch ist, stört sie beim Vergrößerungswechsel kaum. Die Absehenbeleuchtung mittels Diode wird von einer 3 Volt Lithium Knopfzellenbatterie CR 2032 gespeist. Da das Absehen in der 2. Bildebene liegt, vergrößert es sich bei Vergrößerungswechsel nicht mit. Dank seiner gut erkennbaren Balken mit mittigem Fadenkreuz ist es ein sehr ausgewogenes Absehen. Das Auge wird praktisch wie von selbst zur Fadenkreuzmitte geleitet. Das Absehen ermöglicht perfekten Überblick ohne viel vom Geschehen zu verdecken. Bei hoher Vergrößerung wird extrem wenig vom Fadenkreuz verdeckt, obwohl dies klar erkennbar ist. Hochpräzise Punktschüsse auch auf weite Entfernungen sind möglich. Das Absehen ist auch bestens für flüchtiges Schießen geeignet. Man kann das Absehen auch in der Dämmerung ohne Leuchtabsehen verwenden. Solange man auf 100 m einen Rehbock als solchen mit dem Nachtglas erkennt, ist ein Schuss möglich.
Leuchtpunkt
Für die späte Dämmerung und Nachtjagd sowie für flüchtiges Schießen sind die Zielfernrohre aber mit Leuchtabsehen ausgestattet. Die Leuchtstärke des roten Leuchtpunktes kann stufenlos in 11 Leuchtstärkeeinheiten auf einer Skale justiert werden. Die Leuchtstärke reicht von feiner Dimmung für die Nachtjagd bis hin zu hellem Leuchtpunkt für die Tagesjagd bei Sonnenschein. In der Nacht kommt es nicht zur Überstrahlung. Die Leuchtabsehen sind sehr praxisgerecht.
Beim Drückjagdzielfernrohr Gazelle verhilft der Leuchtpunkt zum schnellen Zielen. Nahezu instinktiv kann damit eine Zielaufnahme erfolgen. Die Trefferquote auf Bewegungsjagden erhöht sich damit wesentlich.
Visierlinienabweichung
Absehen in der 2. Bildebene haben bei Vergrößerungswechsel in der Regel eine geringe Visierlinienabweichung (Treffpunktverlagerung ) zur Folge. Bei geringem Wert (bis etwa 2 cm auf 100 m) spielt das in der Praxis keine Rolle. Zumal man die Büchse mit höchster Vergrößerung einschießt und diese auch bei weiten Schüssen eingestellt wird. Bei beiden Zielfernrohren wurde auf 100 m eine Visierlinienabweichung von 2 cm über den gesamten Vergrößerungsbereich hinweg gemessen. Das liegt im Maximalbereich von renommierten Spitzenprodukten.
Nitrogenfüllung / Dichtheit und Schußfestigkeit
Das Zielfernrohrinnere wurde gegen Innenbeschlag mit Stickstoff gefüllt. Im 50 cm tiefen Wasserbad erweisen sich die Zielfernrohre als dicht. Auch gab die Schussfestigkeit keinerlei Anlass zur Kritik. Nach jeweils 20 Schuss mit dem Kaliber .450 Dakota und mehr als 100 Schuss mit dem Kaliber .308 Win. konnte keinerlei Absehendejustierung mit dem Kollimator festgestellt werden.
Die voll vergütete Optik konnte überzeugen. Geboten wird ein sehr scharfes Bild mit sehr guter Randschärfe. Reflexe im Bild ergeben sich nicht. Selbst bei Gegen- oder Schneelicht ist das Bild bestens brauchbar. Der Falschlichtanteil ist sehr gering. Das Bild bietet einen guten Kontrast mit guter Farbtreue.
Lichttransmission bis zu 94,7% (Testbericht Unsere Jagd)

Geboten wird ein sehr helles Bild. Das belegt auch die gemessene Lichttransmission (mit D65 Lichtquelle): Beim Zielfernrohr Gazelle wurde für Tag 93,3 % und für Nacht 91,6 % gemessen. Beim Nachtzielfernrohr Nachtfalke waren es 94,7 % für den Tageslichtwert und 92,5 % für den Nachtlichtwert. Das sind Spitzenwerte wie sie nicht besser sein könnten. Die Lichttransmission lässt also keine Wünsche offen.
Gewicht und Abmessungen
Beide Zielfernrohre sind keine Leichtgewichte. Das Zielfernrohr Nachtfalke ist 35 cm lang und wiegt 670 g. Das nur 24 cm lange Zielfernrohr Gazelle wiegt 270 g. Das Mittelrohr dieses Zielfernrohrs ist nur 13,5 bzw. 14,7 cm lang, was bei langen Magnumsystemen stark gekröpfte Montagefüße erfordert.
Sehfeld
Das Sehfeld des Pirsch- und Ansitzzielfernrohrs 2,5-10x56 von maximal 11,5 reicht für den Aufgabenbereich vollkommen aus. Beim Drückjagdzielfernrohr reicht das Sehfeld von 6,77 bis 19,99 m auf 100 m Entfernung.
Augenabstand
Der Augenabstand beträgt sichere 10 cm. Da können auch starke Kaliber sicher geschossen werden.
Das Zielfernrohr Nachtfalke konnte sich in der Praxis bei Pirsch und Ansitz auf Rehwild und Sauen bestens bewähren. Es überzeugte beim Nachtansitz auf Sauen durch ein helles Bild mit sehr guter Erkennbarkeit. Dank Leuchtabsehen ist der Schuss bei Mondlicht kein Problem. Das Drückjagdzielfernrohr Gazelle 1,5-4x24 wurde bei der Pirsch auf Rehwild und auf Bewegungsjagden eingesetzt. Auch dieses Zielfernrohr konnte sich bestens bewähren. Bei Drückjagden war der gut wahrnehmbare rote Leuchtpunkt von entscheidendem Vorteil. Das Zielen damit geht einfach schneller. Beide Zielfernrohre erwiesen sich als sehr robust. Die Optik überzeugte durch sehr helle und scharfe Bilder bei gutem Kontrast. Auffallend das geringe Falschlicht und die gute Einsetzbarkeit bei Gegenlicht. Rundum, Zielfernrohre, die mit 900 Euro bis 1000 Euro ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis bieten.
Herausgeber:
Unsere Jagd / Deutsches Waffenjournal
Roland Zeitler
Journalist